Bundesverband der Familienzentren

Der Bundesverband der Familienzentren e.V. ist der Fachverband der Familienzentren in der Bundesrepublik Deutschland.

Als Familienzentrum gelten alle Zentren und Häuser, die in einem sozialen Umfeld unterstützende   und bildungsförderliche Angebote für Kinder, Familien, junge und alte Menschen in einem Sozialraum bereithalten, vermitteln und bündeln. Ihr besonderer Auftrag ist die Stärkung der Selbstwirksamkeit von Kindern und Familien, die Verbesserung der Lebensqualität und die Förderung der Bildungschancen für Jung und Alt.

Der Bundesverband ist überparteilich, unterliegt keiner konfessionellen Bindung und ist unabhängig von den wirtschaftlichen Interessen von Kostenträgern und Leistungserbringern.

 

Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser,

viele (Noch)Nichtmitglieder, aber auch einige Mitglieder des Bundesverbands der Familienzentren e.V. stellten uns die Frage, wozu wir einen Bundesverband brauchen und warum man Mitglied in diesem Bundesverband sein sollte.

Dazu befragten wir die Präsidentin des Bundesverbands der Familienzentren e.V., Daniela Kobelt Neuhaus.

Frau Kobelt Neuhaus, welche Beweggründe haben zur Gründung des Bundesverbands der Familienzentren e.V. geführt?

Im Gespräch zwischen Vertreterinnen der Wissenschaft, Forschung, Aus-, Fort- und Weiterbildung und Praxis der frühen Bildung, Erziehung und Betreuung entstand im Jahr 2011 am Rande einer Veranstaltung ein Gespräch über Familienzentren und deren bundesweit unterschiedliche Verbreitung, Ausgestaltung und Finanzierung.

Konsens war, dass eigentlich niemand genau wusste, welche Indikatoren ein Familienzentrum ausmachen und wer oder was dafür bestimmend ist, dass eine Einrichtung sich Familienzentrum nennen darf. Konsens bestand auch darin, dass es viele Einrichtungen gibt, die nicht „Familienzentrum“ heißen, die aber von Familien als Willkommensort und Anlaufstelle für unterschiedliche Fragestellungen genutzt werden. Ferner war man sich darüber einig, dass der Name alleine Schall und Rauch ist und dass es letztlich um die Passgenauigkeit und die fachliche und inhaltliche Qualität der Angebote geht, die für Kinder und Familien vorgehalten werden.

Die Uneinheitlichkeit der unter ähnlichen oder gleichen Begriffen entstandenen Einrichtungen führte zur Frage, ob Diversität eigentlich ein Fehler im (Bildungs-)System sei oder ob sie gerade DAS System ist? Vielleicht ist es ja so, dass keine zwei Familienzentren gleich funktionieren können, weil das Umfeld, die Familien oder die Bedürfnisse so unterschiedlich sind.

Wir sind überzeugt davon, dass die Chance des Begriffs „Familienzentren“ genau darin liegt, dass die Familien und ihre Kinder den so genannten Ort für sich als „gut genug“ bewerten, weil die Angebote dort strukturell und inhaltlich den Bedarfen entsprechen, flexibel genug sind und möglichst viele Bildungs- und Entwicklungschancen eröffnen.

Es geht letztlich also nicht um den Begriff „Familienzentrum“, sondern um die Qualität der passgenauen Angebote, die familiale Ressourcen aufgreifen und Hilfe zur Selbsthilfe anbieten. Dabei verdienen Familienzentren diesen Begriff, wenn es gelingt, über die aktuelle Pädagogik hinaus Brücken zu bauen zu Gesundheitsfragen, sozioökonomischen und gesellschaftlichen Inklusionsstrategien und politischen Entwicklungen zu Gunsten von Familien mit Kindern.

Setzt der Bundesverband dort an?

Ja, der Bundesverband der Familienzentren e.V. will mit seinen Mitgliedern gemeinsam Positionen und Merkmale von „bester“ Stärkung der Familien (weiter-)entwickeln und als Lobby für jene Zentren dienen, die sozialräumliche Bildungs- und Lernlandschaften für Kinder und Familien entwickeln wollen und die dabei eine ganzheitliche Begleitung im Blick haben.

Was sehen Sie als Hauptaufgaben des Verbandes?

Der Bundesverband der Familienzentren e.V. stellt ein Netzwerk und die Bündelung des Sachverstandes seiner Mitglieder dar. Das Präsidium des BVdFZ setzt sich ein für die Wahrung der berechtigten Interessen von Akteuren, die sich ko-konstruktiv um Familien mit Kindern kümmern, Netzwerke entwickeln und zur Stärkung von Bildungsgemeinschaften beitragen.

Der Verband sieht sich als die Interessenvertretung von Einrichtungen und Netzwerken, die sozialräumliche Bildungs- und Entwicklungsprozesse für Kinder und Familien befördern und sich dabei an den Ausgangslagen und Interessen der Familien und Kinder sowie ergänzend oder kooperierend an den anderen Angeboten im Umfeld orientieren.

Ziele des Verbandes sind einheitliche Ausgangslagen für Familienzentren, Qualitätskriterien und –Indikatoren, die sicherstellen, dass auch „drin“ ist, was draufsteht. Langfristig wird an der Überwindung der föderalen Strukturen und der Trägerhoheiten gearbeitet, die mitverantwortlich sind für Qualitätsunterschiede.